Trennung Eltern folgen für Kind


Scheidungen sind nie eine einfache Sache. Die betroffenen Parteien leiden meist schon Jahre vorher unter einer Ehekrise und unter psychischem Stress. Noch schwieriger wird es, wenn das Paar Kinder hat. Über Trennungskinder hat die Gesellschaft ein eigenes Bild - sie brauchen Hilfe, entwickeln Aggressionen oder werden depressiv. Kurz: Trennungskinder haben Probleme oder Trennungskinder machen Probleme. Aber ist dem wirklich so? Hat die Trennung der Eltern wirklich derartige Folgen für ein Kind? Dieser Artikel will vor allem die psychischen Auswirkungen einer Trennung der Eltern beleuchten - und dies sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Darüber hinaus möchte ich aufzeigen, wie Eltern die Folgen ihrer Scheidung abmildern können. Eines kann ich bereits jetzt verraten: Der Schlüssel heißt Kommunikation.

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Trennungskinder: Psyche und Bindung  

Eine sichere Bindung ist ein existenzielles Grundbedürfnis. Ich sage es nochmal: existenziell! Dies wurde in vielen Versuchen nachgewiesen. Wird mit einem Säugling nicht interagiert, stirbt er irgendwann, auch wenn er mit allem Lebensnotwendigen versorgt wurde. Dem Thema Bindung kommt eine unglaubliche Bedeutung zu, wenn man über die Aspekte Kinderpsychologie und Trennung der Eltern spricht. Für ein Kind sind die Eltern der sichere Hafen in der Welt. Mit ihrer Unterstützung beginnt ein junges Kind mit der Erkundung der weiten Umgebung- immer mit der Rückversicherung, ob Mama oder Papa noch da sind. Dieses Urvertrauen ist wichtig, um später glückliche Beziehungen und ein gesundes Selbstbild zu entwickeln. Eine Scheidung kann diese Bindung stark erschüttern. Natürlich hängt viel davon ab, ob das Kind in den ersten Jahren eine gute Beziehung zu Bezugspersonen aufbauen konnte. Ist ein Kind sicher gebunden, ist es im späteren Leben resilienter (psychisch widerstandsfähiger) gegen äußere Faktoren. Generell gilt: Je jünger ein Kind, desto mehr Sicherheitsbedürfnis hat es. Es konnte - im Gegensatz zu einem Jugendlichen - noch keine eigenen Verarbeitungsmodelle aufbauen, um mit einer solchen Situation fertig zu werden. So schwer eine Scheidung auch für die Erwachsenen ist: Denken sie an ihr Kind und geben sie ihm die nötige Bindung und Sicherheit. Je mehr Geborgenheit und Liebe ein Kind erfährt, desto besser sollte die Verarbeitung funktionieren.

Wusstest du schon?

Im Jahr 2019 gab es in Deutschland 122.000 Trennungskinder. Seit dem Höchststand 2008 ist diese Zahl stetig gesunken. Meist verbleibt das Kind im Scheidungsfall bei einem Elternteil. Laut statistischem Bundesamt sind in Deutschland ca. 2,6 Millionen Menschen alleinerziehend. Dabei zeigt sich, dass immer noch deutlich mehr Mütter alleinerziehend sind. Den 2,2 Millionen alleinerziehenden Frauen, standen 400.000 alleinerziehende Väter gegenüber.

Trauma durch Trennung der Eltern - Ein Blick auf unser Gehirn

Unser Gehirn ist ein wahres Wunderwerk der Natur. Es kann mehr Informationen speichern als jeder Supercomputer und steht uns dadurch immer mit Rat und Tat zur Seite. Unser Gehirn hilft uns bei der Stressbewältigung und dies vor allem mit zwei Systemen: Amygdala und Hippocampus. Während die Amygdala das "Hot System" ist und für instinktive Reflexe wie Kampf oder Flucht in lebensgefährlichen Situationen sorgt, ist der Hippocampus das "Cool System" - unser Archiv für Erfahrungen, um schwierige Momente zu bewältigen. Von Geburt an steht uns die Amygdala zur Verfügung, um unser Überleben zu sichern. Der Hippocampus dagegen ist erst ab dem 12. Lebensjahr vollends ausgereift. Bis dahin ist ein Kind existenziell auf die Eltern angewiesen, weil es Stress noch nicht komplett selbst regulieren kann. Ein Kind unter 12 Jahren hat meist noch nicht viele Verlusterfahrungen gemacht. Für den ersten Liebeskummer ist es noch zu früh und auch Oma und Opa leben vielleicht noch. Eine solche Erfahrung würde das "Cool System" zunächst überfordern. Die Amygdala springt dann ein. Die Verarbeitungsmöglichkeiten dieses Systems sind aber eher zweckmäßig und weniger sozialverträglich. Eine liebevolle Bezugsperson wäre nötig, um mit dem Kind an der Verarbeitung des Geschehenen zu arbeiten. Lassen sich die Eltern nun scheiden, kann dies für ein Kind eine existenzielle Bedrohung des eigenen Sicherheitsbedürfnisses sein. Die Amygdala würde dann die Stressverarbeitung übernehmen, wenn diese nicht von außen reguliert wird. Unterschätzen sie also nie die Wirkung, die eine Trennung auf die Psyche eines Kindes haben kann. Und auch wenn die Eltern sich noch so sehr hassen - das Kind benötigt in diesem Moment vor allem eines: Sicherheit!

Trennung Eltern folgen für Kind

Trennungskinder: Welche Probleme können auftreten?

Bei einer Scheidung der Eltern hängt viel von den äußeren Faktoren und der Kommunikation untereinander ab. Ob und welche Verhaltensauffälligkeiten Trennungskinder entwickeln, lässt sich daher nicht pauschal beantworten. Dennoch lassen sich bei jüngeren Kindern, die die Pubertät noch nicht erreicht haben, zwei Verhaltensweisen vermehrt beobachten. Die einen reagieren auf die Trennung mit Verhaltensauffälligkeiten. Sie begehen Sachbeschädigungen, rebellieren in der Schule oder werden aggressiv gegenüber Mitschülern. Meist steckt hinter diesen Verhaltensweisen kein böser Wille, sondern ein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. Eine Trennung kann hart sein und die Eltern sind viel mit sich selbst beschäftigt. Die Kinder versuchen dann mit allen Mitteln, die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu bekommen. Auch wenn es nur Schimpfen ist: Das Kind ist in Beziehung mit einem Elternteil und kann dadurch sein Sicherheitsbedürfnis stillen. Hier macht es Sinn, klare Grenzen zu setzen, aber dennoch liebevoll auf das Kind einzugehen.

Andere Kinder reagieren oft mit Antriebslosigkeit, Überanpassung oder depressiver Stimmung. Hier ist die Gefahr, dass sie in ihren Bedürfnissen übersehen werden, da die Reaktionen oftmals als "gute Verarbeitung" der Scheidung fehlinterpretiert werden können. Meist möchten diese Kinder ihren Eltern nicht noch mehr Probleme bereiten. Fakt ist aber, dass jede Scheidung ein Kind verändert und auch die ruhigeren Verhaltensweisen ein Bedürfnis ausdrücken. Seien sie achtsam gegenüber ihrem Kind und beobachten sie Veränderungen genau. Zieht es sich mehr zurück, können sie durch gezielte Angebote gegensteuern.

Jugendliche fühlen sich häufig beschämt, da das "zerstörte" Familienbild als Mangel aufgefasst wird. Gerade in der Pubertät und im Spagat zwischen Unabhängigkeit und kindlichem Bedürfnis nach Sicherheit, kann eine Scheidung Überkompensationen in bestimmten Bereichen oder sozialen Rückzug zur Folge haben.

Wusstest du schon?

Der Wegfall des gleichgeschlechtlichen Elternteils kann Trennungskinder in ihrer Psyche beeinflussen. Durch das fehlende Vorbild kann es schwieriger sein, ein eigenes Rollenverständnis auszuprägen. Daher ist es wichtig, dass ein Kind mit beiden Elternteilen weiterhin Kontakt hat. Der andere Extremfall ist, wenn Kinder versuchen die Rolle des fehlenden Vaters oder der fehlenden Mutter einzunehmen. Diese Verantwortung kann und sollte ein junger Mensch noch nicht tragen.

Trennung der Eltern: Folgen für Kind abmildern?

Die Frage, inwieweit Trennungskinder in ihrer Psyche Schaden nehmen, kann nicht restlos beantwortet werden. Viel hängt von frühen Bindungserfahrungen, vom Umgang in der Familie untereinander und schlussendlich auch von Charakter und Bewältigungsmöglichkeiten des Kindes ab. Dennoch gibt es einige Punkte, die man beachten kann, um das Kind bestmöglich bei der Verarbeitung der Scheidung zu unterstützen.

- Trauma durch Trennung der Eltern verhindern: Reden sie mit ihrem Kind

Kommunikation ist das Wichtigste während einer Scheidung. Am besten thematisieren beide Elternteile die anstehenden Veränderungen kindgerecht mit dem Nachwuchs. Gerade in der Hochphase einer Scheidung kann es wichtig sein, dass die Eltern als "Einheit" mit dem Kind sprechen und auftreten. Das vermittelt Sicherheit. Reagiert das Kind mit Verhaltensauffälligkeiten, kann eine liebevolle Kommunikation helfen. Wählen sie dabei den Rahmen nicht zu "förmlich". Kindern fällt das spielerische Kommunizieren während einer Tätigkeit meist leichter. Entscheidend dabei ist, immer wieder zu betonen, dass das Kind keinerlei Schuld an der Trennung hat.

- Kinderpsychologie: Trennung der Eltern als Loyalitätskonflikt.

Auch wenn die Trennung noch so schwierig ist - ein Kind darf nie als Waffe gegenüber dem Ex-Partner benutzt werden. Versuchen sie das Kind nicht auf irgendeine Seite zu ziehen. Die Trennung ist schwierig genug für ihren Nachwuchs und ein Kind kann nicht zwischen zwei Elternteilen wählen, da es gegenüber beiden loyal sein will.  Tragen sie ihre Ehestreitigkeiten nicht vor ihrem Kind aus. Ihr Nachwuchs hat gute Antennen und erkennt sofort, wenn dicke Luft zwischen den Eltern herrscht. Vermeiden sie es außerdem, schlecht über den Ex-Partner zu reden, wenn ihr Kind in der Nähe ist. Das belastet das Kind zusätzlich, da es in einen Loyalitätskonflikt gerät. Versuchen sie unbedingt eine außergerichtliche Lösung zu finden und ersparen sie ihrem Kind, zwischen Mama und Papa eine Entscheidung treffen zu müssen.

- Trennungskinder und Psyche: Erziehen sie so, als wären sie noch zusammen

Agieren sie als Eltern weiterhin als Einheit. Spricht ein Elternteil eine Konsequenz aus, sollte diese auch vom anderen eingehalten werden. Kinder werden versuchen solche Lücken auszunutzen, da sie auf der Suche nach Grenzen sind. Sind diese Grenzen und Vereinbarungen bombensicher, geben sie dem Kind Sicherheit. So spürt das Kind, dass gewisse Regeln auch trotz einer räumlichen Trennung weiterhin gelten.

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Trennung Eltern folgen für Kind

Trennung der Eltern: Folgen für Kind aus einer anderen Perspektive

Bei Scheidungskindern wird es immer zu psychischen Veränderungen kommen. Diese müssen aber nicht nur negativ sein. Die Wörter "Trennungskinder" und "Psyche" können auch durchaus etwas Positives bedeuten. Sicher ist: je jünger ein Kind ist, desto mehr benötigt es die Unterstützung der Eltern. Fakt ist aber auch, dass nicht alle Trennungskinder im Erwachsenenalter psychische Wracks sind. Ich denke anhand einer Trennung der Eltern können Kinder auch viel verstehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Kinder vor allem am Modell lernen. Wie gehen meine Eltern mit schwierigen Situationen um? Wie kommunizieren sie, obwohl sie wütend aufeinander sind? Wie finden sie Kompromisse? All das können Punkte sein, die ein Kind im späteren Leben für sich nutzen kann. Und das gilt auch für Kinder im jüngeren Alter. Auch ein junges Kind kann lernen, dass Trennungen ein Teil des Lebens sind. Dieser Prozess muss nur behutsam begleitet werden. Nimmt es aber wahr, dass die Eltern weiterhin wertschätzend miteinander kommunizieren, gemeinsam Lösungen finden und nach wie vor als Einheit bei der Erziehung agieren, kann dies auch ein unschätzbarer Lerneffekt sein. Vielleicht zeigt sich dieser erst Jahre oder Jahrzehnte später, aber er ist sicher da.

Auch Jugendliche können von ihren Eltern bei einer Trennung sehr viel lernen. Gerade im Jugendalter sollte man verinnerlichen, achtsam mit sich und seinem Körper umzugehen. Besteht eine Beziehung nur noch aus Streit und Wut, ist es an der Zeit diese zu beenden. Jeder Jugendlicher wird sicher früher oder später mit einem Beziehungsende konfrontiert. Von den Eltern kann man lernen, auf sich selbst zu hören und eine Beziehung in Würde zu beenden. Für die Eltern ist es sicher nicht einfach, diesen Prozess, der für sie selbst eine Herausforderung ist, optimal zu gestalten. Aber der Lerneffekt, eine schwierige Situation und auch mögliche Fehler gemeistert zu haben, kann Kinder und Jugendliche perfekt auf spätere Herausforderungen im Leben vorbereiten. 

Wusstest du schon?

Meist liegt der Fokus auf der Frage, ob ein Trauma durch die Trennung der Eltern entstehen kann. Wissenschaftliche Studien darüber, inwieweit sich eine Trennung der Eltern positiv auswirken kann, gibt es nicht. Das liegt aber vor allem daran, dass dieser Punkt in der Wissenschaft vernachlässigt wird. Aus Sicht der Kinderpsychologie ist eine Trennung der Eltern, ein enormer Stress für Kinder. Es ist richtig, sich diese Aspekte genauer anzusehen. Trotzdem dürfen Kinder nicht stigmatisiert werden. Ihre Abwehrkräfte erstaunen uns immer wieder. Im wissenschaftlichen Diskurs sollte das nicht unbeachtet bleiben.

Trennung Eltern folgen für Kind

Trennungskinder: Psyche gesund oder krank? 

Diese Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. In der Kinderpsychologie hat die Trennung der Eltern unweigerlichen Einfluss auf die Psyche und je jünger ein Kind ist, desto mehr benötigt es Unterstützung. Der wichtigste äußere Faktor, um eine Scheidung gut zu verarbeiten, sind die Eltern. Ein gesunder und liebevoller Umgang mit der Situation ist wichtig, um ihre Kinder vor psychischen Folgen zu schützen. Denken sie immer daran: Zum einen beobachtet ein Kind seine Eltern genau, zum anderen haben sie sensible Antennen für Stimmungen und Energien. Seien sie also achtsam sich selbst, ihrem Ex-Partner und ihrem Kind gegenüber. Ihr eigener Umgang mit der Trennung beeinflusst die Verarbeitungsmöglichkeiten ihres Kindes. Dieser Verantwortung sollten sie sich bewusst sein. Festzuhalten bleibt: Die Trennung der Eltern hat Folgen für ein Kind.  Dennoch haben nicht alle Trennungskinder Probleme. Auch entwickeln nicht alle jungen Menschen ein Trauma durch die Trennung der Eltern. Trotzdem darf dieses Thema nicht unterschätzt werden. Sollten sie mit der Situation überfordert sein, zögern sie nicht, sich Hilfe zu holen. Geeignet Fachstellen mit geschultem Personal können gute Ansprechpartner sein, um diesen herausfordernden Lebensabschnitt zu meistern.

Wusstest du schon?

Auch wenn die Eltern in einer Scheidungsphase alles richtig machen, kann ein Kind mit Verhaltensauffälligkeiten reagieren. Der Charakter des Kindes ist entscheidend für die Ausprägung dieser Verhaltensweisen. Ist es eher melancholisch oder temperamentvoll veranlagt, werden auch die Reaktionen tendenziell so ausfallen.

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Werden Trennungskinder wieder glücklich?     

Eine Trennung ist immer ein einschneidendes Erlebnis, besonders für Kinder. Doch wenn die Eltern friedlich und ohne Rosenkrieg miteinander umgehen, können die Kinder die Trennung einfacher und schneller verarbeiten. Das wichtigste ist ehrlich mit den Kindern zu sein und ihnen die Trennung vernünftig und kindgerecht zu erklären. Glückliche Kinder gehen mit glücklichen Eltern einher.

Was ist das schlimmste einer Trennung für Kinder?

Das offensichtlichste, ist der Verlust eines Elternteils. Es gibt aber noch die Folgen die eher als nebensächlich abgetan werden. Eine Trennung der Eltern bedeutet ebenfalls Veränderungen des sozialen Umfelds. Umzug, Verlust der Freunde und sogar eine neue Familie sind enorme Veränderungen für die Kinder.

Welche Bedeutung hat für Kinder eine Trennung?

Bei einer Trennung können die Kinder durch das Verlusterlebnis, eine Verlassens Angst entwickeln. Sie fühlen sich von einem Elternteil Verlassen und geben sich selbst die Schuld dafür. In diesem Fall ist es für die Eltern wichtig, besonders einfühlend zu sein und auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.


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